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Nr. 5 I 2025
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Strukturwandel in der Lausitz – Bilanz ziehen & Haltung zeigen 

Liebe Leserin, lieber Leser ,
wenn ein Jahr sich dem Ende nähert, verändert sich naturgemäß der Blick auf die Dinge – von hinten betrachtet wirken diese oft anders, als wenn sie noch vor einem liegen. Der Dezember ist daher bei vielen die Zeit der Rückschau, aber auch der Einordnung. Was hat getragen? Wo sind Brüche sichtbar geworden? Und was braucht es, damit aus punktueller Bewegung tatsächlich eine koordinierte Entwicklung wird? Für die Lausitz sind die Jahreswechsel ebenfalls eine Zeit, um Bilanz zu ziehen: Wo stehen wir bei der gesellschaftlichen Transformation einer ganzen Region? Welche Entwicklungslinien haben sich im vergangenen Jahr durchgesetzt, welche sind eher verblasst? Der Strukturwandel wird mehr und mehr greifbar, bricht sich Bahn und doch steht seine gesellschaftliche Tragfähigkeit zunehmend unter Druck.
Im Zentrum dieser Ausgabe steht die Dokumentation unserer Jahreshauptveranstaltung, dem »Strategieforum Lausitz«, welches vor wenigen Tagen, am 27. und 28. November in Bad Muskau stattfand. Zwei Tage lang diskutierten wir gemeinsam mit Akteuren aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft die wachsenden Risiken gesellschaftlicher Spaltung für den Strukturwandel der Region. Besorgniserregende Wahlergebnisse, zunehmende rechte Gewalt und ein spürbarer Vertrauensverlust gegenüber demokratischen Prozessen treffen dabei auf einen Transformationsprozess, der auf Offenheit, Zuzug und Mitwirkung angewiesen ist. Das Strategieforum Lausitz hat diesen Widerspruch nicht versucht zu glätten, sondern ihn bewusst ins Zentrum des Interesses gestellt. Unsere nun veröffentlichte Zusammenfassung der Veranstaltung hält fest, welche Argumente, Perspektiven und offenen Fragen dabei sichtbar wurden – und markiert einen wichtigen Bezugspunkt für weitere Auseinandersetzungen.
Inhaltlich eng daran angelehnt ist unsere Publikation »Strukturwandel gemeinsam gestalten. Politische Bildung und Partizipation als Voraussetzungen für eine nachhaltige Transformation in der Lausitz«. Sie greift zentrale Argumentationslinien der Veranstaltung auf und ordnet sie vertiefend ein. Der Bericht zeigt, warum politische Bildung und Partizipation keine begleitenden Maßnahmen sind, sondern grundlegende Gelingensbedingungen des Lausitzer Strukturwandels darstellen und dafür Sorge tragen, dass wirtschaftlicher Wandel gesellschaftlich verankert wird. Ohne Orientierung, Beteiligung und Vertrauen bleiben Transformationen langfristig betrachtet instabil – unabhängig von der Höhe der getätigten Investitionen.
Mit diesem Fokus auf Diskurs und Haltung ist jedoch nur eine Seite des Strukturwandels beschrieben. Denn Wandel muss nicht nur ausgehandelt, sondern auch organisiert und koordiniert werden. Unsere zweite Veröffentlichung »Netzwerke des Strukturwandels. Erweiterte Netzwerkanalyse der Lausitzer Bildungslandschaft (Stand 2025)« richtet den Blick auf die Infrastrukturen, die jenseits öffentlicher Debatten wirksam sind. Sie zeigt, wie Bildungsakteure miteinander verbunden sind, wo Kooperationen tragen und wo Leerstellen bestehen. 290 Institutionen in 100 Netzwerken machen sichtbar, welches Potenzial vorhanden ist – und wie anspruchsvoll es ist, dieses strategisch zu bündeln.
Eine weitere Betrachtungsebene liefert unser regionales Bildungsmonitoring. Die Publikation »Jahreszahlen zum Lausitzer Ausbildungs- und Arbeitsmarkt (Stand: September 2025)« liefert eine detaillierte Bestandsaufnahme der zentralen Eckdaten des Lausitzer Strukturwandels. Sie zeigt, wo sich Engpässe verfestigen, neue Passungsprobleme entstehen und Handlungsbedarfe konkret werden – unabhängig von tagesaktuellen Diskursen.

Diese Ausgabe spannt demnach einen inhaltlichen Bogen von gesellschaftlichen Konfliktfeldern über tragende Kommunikationsstrukturen bis hin zu gesicherten Daten der voranschreitenden Transformation der Lausitz. Nicht als abschließende Bilanz, sondern als Einladung zur Einordnung, zur Reflexion und zum Weiterdenken – gerade zum Jahresende.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viele Aha-Momente beim Lesen und Weitererzählen.

Frohe Weihnachten und ein gesundes neues Jahr wünscht Ihnen das Team des Netzwerkbüro Bildung in der Lausitz
Strategieforum Lausitz - Unser Rückblick für Sie

Strategieforum Lausitz – unser Rückblick für Sie
Worum ging es | Das Strategieforum Lausitz 2025 thematisierte die Frage, welche Gefahren sich aus einer zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung für den Strukturwandel der Lausitz ergeben. Dabei standen insbesondere die Phänomenbereiche Rechtsextremismus, Rassismus und der vermehrte Vertrauensverlust mit Blick auf demokratische Prozesse im Mittelpunkt des Interesses. Neben wissenschaftlichen Impulsen, Beiträgen aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Verwaltung sollten vor allem offene Diskussionsformate die Wechselwirkungen zwischen demokratischer Kultur, Zuzug, Fachkräftesicherung und regionaler Zukunftsfähigkeit beleuchten.
 
Warum jetzt | Die Wahlergebnisse in den Lausitzer Kreisen 2024/25, der deutliche Anstieg rechter Gewalt in der Region und die zunehmende Polarisierung ganzer Bevölkerungsgruppen deuten an, dass die gesellschaftliche Basis für die beschlossene Transformation der Lausitz erodiert. Gleichzeitig schreitet der beschlossene Wandel voran, gewinnt an Gestalt und nimmt Fahrt auf. Im Rahmen eines historisch einzigartigen Investitionspakets fließen große Mengen an Fördergeldern in die Lausitz, um den Ausstieg aus der Braunkohleverstromung sozial- und umweltverträglich zu gestalten und die Lausitzer Wirtschaft für die Zukunft zu wappnen. Der Erfolg dieser Maßnahmen hängt jedoch maßgeblich davon ab, ob die Lausitz sich als demokratische, lebenswerte und offene Region versteht und sowohl von außen als auch von innen als solche wahrgenommen wird. Die Diskrepanz zwischen dem strukturellen Bedarf nach Zuwanderung und der hohen Zustimmung gegenüber migrationsfeindlichen Positionen legt einen bestehenden Grundwiderspruch in den Köpfen der Menschen hinsichtlich der Zielstellung des Lausitzer Strukturwandels frei und deutet akuten Handlungsbedarf an, sollen die getätigten Investitionen nicht mittelfristig ihre Positiveffekte in der Region einbüßen.
 
Lesen Sie in der vollständigen Dokumentation, welche inspirierenden Gäste wir an den zwei Tagen in Bad Muskau begrüßen durften und welche Themen im Mittelpunkt standen. Erfahren Sie zudem, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse diskutiert wurden, inwiefern länderübergreifende Strategien notwendig erscheinen und weshalb es sich lohnt, Netzwerke zu stärken und gemeinsam über regionale Grenzen hinweg nach Lösungen für die Bedarfe des Lausitzer Strukturwandels zu suchen.
Hier gelangen Sie zur vollständigen Veranstaltungsdokumentation...
Strukturwandel gemeinsam gestalten. Politische Bildung und Partizipation als Voraussetzungen für eine nachhaltige Transformation in der Lausitz

Veröffentlichung I

Strukturwandel gemeinsam gestalten. Politische Bildung und Partizipation als Voraussetzungen für eine nachhaltige Transformation in der Lausitz | Die Lausitz steht erneut mitten in einem tiefgreifenden Wandel, der an frühere Brüche anknüpft und alte Erinnerungen wachruft. Jahrzehntelang prägte der Braunkohleabbau Identität, Arbeit und Gemeinschaft, verursachte zugleich aber auch soziale und ökologische Flurschäden. Der Strukturbruch nach 1990 hinterließ deindustrialisierte Landstriche, massive Arbeitsplatzverluste und ein tiefes Gefühl kollektiver Entwertung. Diese Einschnitte wirken bis heute nach und begünstigen das Gefühl, übersehen zu werden. In diesem Klima konnten jahrzehntelang antidemokratische und rechtsextreme Strömungen wachsen – eine Entwicklung, die mancherorts und viel zu oft in offener Gewalt gipfelte.
Auch aktuelle Entwicklungen lassen solche Tendenzen wieder erkennen. Gleichzeitig haben sich die Ausgangsbedingungen stark verändert: Milliardeninvestitionen, neue Industrien und Zukunftstechnologien schaffen Perspektiven, der eigentliche Engpass liegt inzwischen im Fachkräftemangel. Ohne Zuwanderung, vor allem aus dem Ausland, wird dieser nicht zu bewältigen sein, auch wenn viele Menschen Migration weiterhin als großes Risiko wahrnehmen.
Diese Diskrepanz zeigt, dass wirtschaftliche Impulse allein nicht reichen, um Vertrauen zu stärken. Politische Bildung und partizipativer Einbezug werden damit zu Kernkompetenzen, damit die Menschen in der Region Informationen, Orientierung und echte Teilhabe am Wandel erhalten – und extremistisches Denken und Handeln den Nährboden verlieren.
Wenn Sie tiefer einsteigen möchten: Der vollständige Bericht zeigt die Befunde im Detail...
 
Publikation_Netzwerke des Strukturwandels

Veröffentlichung II

Netzwerke des Strukturwandels. Erweiterte Netzwerkanalyse der Lausitzer Bildungslandschaft (Stand 2025) | Die aktuelle Netzwerkanalyse zeigt, wie stark die Lausitzer Bildungslandschaft gewachsen ist: 290 Institutionen in 100 Netzwerken arbeiten inzwischen an 18 Themenbereichen und ausgerichtet auf 16 Zielgruppen. Durch die Verdopplung der eingetragenen Akteure im Vergleich zum Vorjahr liegt ein deutlich robusteres und differenzierteres Bild der regionalen Bildungsstrukturen vor. Aufgrund dieser erweiterten Datengrundlage lassen sich nun zentrale Akteure, ihre Rollen und die Beziehungen zwischen ihnen, vor dem Hintergrund mehr oder weniger trennscharfer Themen und Zielgruppen präziser erkennen.
Die Analyse nutzt etablierte Netzwerkmetriken, um Verbindungen, Vermittlerrollen und versteckte Einflussstrukturen sichtbar zu machen. Damit schafft sie Transparenz, zeigt Kooperationspotenziale auf und markiert Lücken in bislang unterrepräsentierten Handlungsfeldern. Der Bericht unterstützt Bildungsakteure dabei, Ressourcen gezielt zu bündeln und strategische Entscheidungen für eine zukunftsfähige Bildungslandschaft im Strukturwandel zu treffen.
Wir laden Sie herzlich ein, detaillierter in die Auswertung der Netzwerkanalyse einzusteigen...
Ab sofort abrufbare Sonderausgabe: Jahreszahlen zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt in der Lausitz 2025
Veröffentlichung III
Ab sofort abrufbare Sonderausgabe: Jahreszahlen zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt in der Lausitz 2025 | Auf 30 Seiten erhalten Sie fundierte Informationen zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt in der Lausitz für das Jahr 2025; kompakt aufbereitet von unserem Team des regionalen Bildungsmonitorings aus dem Netzwerkbüro Bildung in der Lausitz. Durch den fortlaufenden Vergleich konkreter Kennzahlen sollen spezifische Trends sichtbar gemacht und pointierte Hinweise auf markante Veränderungen ermöglicht werden.
Die von uns zusammengestellten Zahlen zur Lausitz können Sie auf Wunsch automatisiert im Rahmen eines Newsletters viermal im Jahr erhalten. Eine Zusammenfassung der Jahreszahlen erscheint einmal im Jahr. Sollten Sie eine Ausgabe verpasst haben oder noch einmal nachlesen wollen, finden Sie alle Zusammenstellungen auf unserer Website.

Die Zusammenstellung richtet sich vordergründig an kommunale und landespolitische Akteure und Kooperationspartner*innen aus dem Bereich Bildung und an alle Interessierten im Allgemeinen.
Für einen vertieften Einblick, einfach hier klicken und die vollständige Zusammenfassung einsehen...
Gut zu wissen: Parallel erschienen sind die Quartalszahlen zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt in der Lausitz mit Stand September 2025. Hier klicken und reinschauen...
Auffällige Berufsgruppen auf dem Ausbildungsmarkt in der Lausitz
Auffällige Berufsgruppen auf dem Ausbildungsmarkt in der Lausitz | Die berufliche Ausbildung stellt eines der zentralsten Werkzeuge zur Fachkräftesicherung dar. Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt – davon ist die Rede, wenn Bewerber*innen und Unternehmen, die Berufsausbildungen anbieten, aus den unterschiedlichsten Gründen nicht zueinander finden – stellen im Zuge des Fachkräftemangels in der Lausitz ein großes Problem dar. Umso wichtiger ist es, frühzeitige Maßnahmen zur beruflichen Orientierung zu fördern, für gute und zeitgemäße Arbeits- und Ausbildungsbedingungen im Betrieb zu sorgen sowie für eine angemessene schulische Bildung und praxistaugliche Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt einzutreten.
Unser Schaubild zeigt, dass es durchaus Berufsgruppen in der Lausitz gibt, die über die letzten drei Berichtsjahre des Ausbildungsmarktes der Bundesagentur für Arbeit bedenkliche Strukturen im Passungsverhältnis von Ausbildungsbewerber*innen und gemeldeten Ausbildungsstellen aufweisen. Problematische Passungsverhältnisse über mehrere Jahre hinweg sind ein Indiz für strukturelle Schwierigkeiten. So waren etwa Ausbildungsberufe der Berufsgruppe »Arzt- und Praxishilfe« in den letzten drei Berichtsjahren (2022/2023 bis 2024/2025) jedes Mal unter den Top 10 Berufsgruppen in der Lausitz mit einem Nachfrageüberhang (siehe Grafik) – wiesen also deutlich mehr Bewerber*innen als Ausbildungsstellen auf. Gleichzeitig kam es im Berichtsjahr 2023/2024 zu einem Top 10 Platz unter den Berufsgruppen mit Versorgungsproblemen, da 9,3 % bzw. 20 Bewerber*innen unversorgt blieben. Dass die Anzahl der unversorgten Bewerber*innen so viel niedriger ausfällt als die Anzahl der überschüssigen Bewerber*innen (Nachfrageüberhang), deutet darauf hin, dass die meisten der überschüssigen Bewerber*innen eine Alternative gefunden haben: Sie können beispielsweise ein Studium angetreten haben, an berufsvorbereitenden Maßnahmen teilnehmen oder einen Ausbildungsbetrieb außerhalb der Lausitz oder in einem anderen Beruf gefunden haben. Im Berichtsjahr 2024/2025 hingegen fällt die Berufsgruppe »Arzt- und Praxishilfe« in die Top 10 der Berufsgruppen mit Besetzungsproblemen (14,1 % bzw. 10 unbesetzte Berufsausbildungsstellen). Trotz eines Überschusses an Bewerber*innen bleiben demnach Stellen unbesetzt, was einmal mehr auf Passungsprobleme hinweist.
Dies stellt sich gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der herausfordernden ärztlichen Versorgung im ländlich geprägten Raum der Lausitz als äußerst heikel dar.
Mehr Grafiken, Zahlen, Daten und Fakten aus unserem regionalen Bildungsmonitoring finden Sie hier mit einem Klick ...
Interessante Studien und Materialien finden Sie im Bereich Downloads auf unserer Website.
Netzwerkbüro Bildung in der Lausitz
c/o kobra.net, Kooperation in Brandenburg, gemeinnützige GmbH
Projektleiter Dr. Thomas Prennig Redaktion: Nancy Mudrick
Tel.: 0355 - 4946 0653 Tel.: 0355 - 4945 6888
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Julia Bischoff und Dr. Thomas Prennig
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